Andacht aus unserem Gemeindebrief Februar & März 2022

Andacht aus unserem Gemeindebrief Februar & März 2022

Liebe Leserin und lieber Leser,


„Halt’s Maul, jetzt kommt der Segen…“ So lautet ein Buchtitel von Inger
Hermann. Inger Hermann ist viele Jahre als Religionslehrerin an Förderschulen
tätig gewesen. Sie arbeitet mit Großstadtkindern, die kein heiles
Zuhause kennen.

„Wo ist Gott, wenn ich geschlagen werde?“

oder

„Wenn mein Vater säuft, mag Gott ihn immer noch?“

Solche und ähnliche Fragen beschäftigen die Kinder – und damit auch Inger Hermann. Sie schreibt: „Das ist alles, was ich ihnen – stellvertretend sozusagen – anbiete, jede Stunde neu: Ich bin bereit, mit dir in deine dunklen Erfahrungen zu gehen, ich halte die Hilflosigkeit aus, auch wenn ich nicht helfen kann. Ich wende den Blick nicht vom Entsetzlichen ab, auch wenn es mich entsetzt. Neben dein fehlendes Urvertrauen setze ich mein Vertrauen in deine Einmaligkeit und Kostbarkeit. Neben die Realität deiner Verzweiflung halte ich die Realität von Gottes Liebe. Ich weiß, das erklärt gar nichts, das nützt dir gar nichts – aber spürst du, dass sich etwas verändert, in dir, in mir, in uns?“

Auf berührende und eindrückliche Weise beschreibt Inger Hermann, wie sich für viele Kinder tatsächlich etwas verändert, dadurch, dass sie gesehen werden. Als gute und geliebte Menschenkinder. Am Ende jeder Stunde kommt der Segen. Den will keiner verpassen. Weil es noch laut und unruhig ist, kommt diese Ansage, von den Kindern selbst:„Halt’s Maul, jetzt kommt der Segen…“

Den Segen Gottes will keiner verpassen. Der Segen steht für die Hoffnung, dass es sich lohnt, zu leben. Dass da etwas oder jemand ist im Leben, der zu dir hält. Der dir Kraft gibt, wenn du welche brauchst. Und dass das Leben voller guter Möglichkeiten steckt. Das Gute in dir kann sich entfalten. Du bist nicht festgelegt auf das, was ist. Du kannst frei werden von dem, was dich gefangen hält und quält und einengt. Du bist gewollt. Du bist geliebt. Du bist gesegnet.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, sagt Jesus (Johannes 6,37 – Jahreslosung für 2022). Er sagt es zu uns, er sagt es zu den Kindern, mit denen Inger Hermann arbeitet, er sagt es zu allen, die es hören wollen.

Vor uns liegt ein noch junges Jahr. Was wird es bringen? Was werden wir erleben? Hoffentlich das Ende der Corona-Pandemie. Hoffentlich mehr Frieden. Und für jeden und jede von uns persönlich: hoffentlich viel Gutes.

Doch was immer wir auch erleben werden: Wir sind gesegnet. Einer geht mit uns. Gott hält mit uns den Untiefen unseres Lebens stand, so wie er auch unsere Sonnenstunden mit uns teilt. Diese Erfahrung wünsche ich uns im Jahr 2022 – und dass wir einander dazu inspirieren, Gottes Segen in dieser Welt zu entdecken.

Ein gesegnetes Jahr 2022 wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Andrea Pistor

Sie haben Fragen, Wünsche oder Anregungen? Rufen Sie uns gern im Kirchenbüro an oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

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